Geschichte des Armazem Vieira
In der Anfangszeit des Armazem Vieira wurde aber nicht nur Cachaça gehandelt. Hier waren über Lebensmittel, Kleineisen und sonstigen Waren so ziemlich alle Dinge vorhanden, die ein Schiff mit sich führen konnte. Später waren dort sogar Dienstleistungen wie die eines Barbiers vorhanden. Damals war Armazem Vieira also das typische, moderne Einkaufszentrum der Neuen Welt.
Irgendwann kristallisierte sich aber heraus, daß dieser Platz immer mehr dem Wandel der neuen Zeit unterworfen war. Mit dem Ende des 19. Jahrhunderts war die Zeit der großen Segelschiffe vergangen. Die mächtigen und schnellen Dampfer waren zu groß für die kleinen Buchten der Insel. Auch mußten sie sich nicht mehr zwecks regelmäßiger Proviantaufnahme und anfallender Reparaturen wie die alten Seefahrer von Küste zu Küste hangeln.
Es war Zeit für den eigenen Wandel. Also fiel der Entschluß, etwas neues zu machen aber gleichzeitig die Tradition zu pflegen. Die Idee wurde geboren, anstatt der kleinen einzelnen Läden und Ecken etwas Großes zu gestalten. Ein tiefgreifender Umbau erfolgte, der im vorderen Teil des Hauses eine Bar enthielt. Das besondere war dann aber der hintere Teil des Gebäudes: Hier nun verblieben die alten, großen Cachaçafässer und es wurden sogar noch weitere hinzugenommen. Jetzt konnten Gäste aus aller Welt einen entspannten Abend genießen, den Blick über gewaltige Fässer schweifen und sich vom Duft langsam reifender Cachaça betören lassen.
Die nach wie vor im Stil des Art Nouveau vorhandene Einrichtung aus circa 1916 erzählt noch heute diese teils wechselvolle Geschichte. Aber zum Glück war und blieb die Cachaça das Herz des Hauses. Und mit ein wenig Glück ist einer der beiden Inhaber zugegen und erzählt in kurzweiliger und typisch südbrasilianischer Weise über die Cachaça, das Haus Armazem Vieira und derer beiden Geschichte.
